Der Hausbock

 

Der Hausbock (im Volksmund häufig Holzbock genannt) ist ein Holz schädigendes Insekt, dessen Hauptaufgabe es ist, das in der Natur nicht mehr zum Erzeugen von Sauerstoff genutzte Nadelholz letztendlich so zu zerstören, dass es im Endzustand als Humus dem natürlichen Kreislauf wieder zugeführt wird. Ähnlich wie der Holzwurm hat auch der Hausbock ein ganz bestimmtes Befallsschema. Schädlich ist nicht der Hausbockkäfer, sondern die Hausbocklarve.

Der Entwicklungszyklus von Holz schädigenden Insekten, also Nagekäfer und Bockkäfer, besteht darin, dass Eier im Holz abgelegt werden. Aus den Eiern entwickeln sich Eilarven. Die Eilarven nagen sich in das Holz ein. Beim Hausbock fressen sie das Splintholz von Nadelholz. Bei einem Larvengewicht über 250 mg verpuppen sich diese. Aus der Puppe schlüpft der Käfer. Der Käfer frisst kein Holz, sondern hat nur noch die Aufgabe, für Nachkommen zu sorgen. Dann beginnt der Kreislauf aufs Neue.

Es war lange Zeit ein mit vielen Fragen behaftetes Thema, wie der Hausbock das Holz findet. Nach dem Trocknen von Nadelholz (natürliche Trocknung dauert etwa 1 Jahr) werden vom Holz Terpene und deren Oxidationsprodukte abgegeben. Diese riecht der Hausbockmann. Entomologen sprechen davon, dass der Geruch bis auf eine Entfernung von 1 km wahrgenommen wird.

Das Hausbockmännchen fliegt zu dem Holz und prüft mit seinen Fraßwerkzeugen, ob die Holzoberfläche so beschaffen ist, dass sich die Larven darin entwickeln können. Diese „Geschmacksprobe“ zeigt z. B. oberflächlich vorhandene Holzschutzmittel an. Ist die Holzoberfläche geeignet, dann gibt das Hausbockmännchen eine Duftmarke ab. Dieser Duftmarke folgen die Hausbockweibchen und werden begattet.

Darin unterscheidet sich der Hausbock von allen anderen Holz zerstörenden Insekten, bei denen die Weibchen die Entscheidung treffen, welches Holz zur Eiablage dient. Das hat Herr Dr. Plarre von der BAM in Berlin vor ca. 10 Jahren herausgefunden.

Die Weibchen suchen dann an der Holzoberfläche schmale Risse von 0,2-05 mm Breite, um mit ihrer Legeröhre in diesen Rissen die Eier abzulegen. Die Risse müssen deshalb so schmal sein, dass die aus der Legeröhre austretenden Eier sofort von den Wandungen festgehalten werden. Nach der Eiablage stirbt das Weibchen, das Männchen stirbt bereits etwa zwei Wochen nach der Begattung.

Aus den Eilarven entwickeln sich die Larven. Diese Eilarven müssen sich aus der Eihülle in das Holz einnagen können. Da der Riss nur sehr schmal ist, können sie sich entsprechend in diesem Riss verkeilen, um die notwendige Kraft aufzubringen, sich in das Holz einzunagen. Spätestens jetzt beginnt die Zerstörung des Splintholzes im Nadelholz (Holzfraß).

Die Hausbocklarven nehmen im Holz u. a. auch Eiweißstoffe auf. Dabei spielt das Alter des Nadelholzes erst einmal keine große Rolle. Bei Hölzern aus dem 13. Jahrhundert wurde wiederum von der BAM in Berlin festgestellt, dass eingesetzte Larven sich völlig normal ernähren und einen ganz normalen Gewichtszuwachs zeigen.

Allerdings ist dort die Entwicklung nicht mehr ganz so rasant wie in ganz frischem Nadelholz. Während z. B. in Kiefernsplintholz, das etwa 2 Jahre geschlagen ist, die Hausbocklarve innerhalb von 2-3 Jahren zur Verpuppung kommt, bleibt sie in altem Fichtenholz unter Umständen auch 10-15 Jahre am Leben, bis sie das Verpuppungsgewicht erreicht hat.

Das Verpuppungsgewicht ist letztendlich der Schlüssel dazu, dass sich die Larve verpuppen kann. Dazu benötigt sie normalerweise auch noch einen Reiz, der darin besteht, dass nach dem kalten Winter langsam das Frühjahr aufkommt und das Holz wärmer wird. Dann frisst sich die Larve unter die Holzoberfläche und lässt eine papierdünne Haut stehen. Sie frisst dann eine Puppenwiege, die frei von Fraßmehl ist.

Darin entwickelt sich der fertige Käfer. Das dauert etwa sechs Wochen. Anschließend beißt der Käfer die dünne Holzschicht durch, um nach außen zu gelangen. Es gibt also ein ovales Loch im Holz, das etwa 6-8 mm lang und 4-6 mm breit ist. Nach dem Schlüpfen fliegt der Hausbock weg. Der Hausbockkäfer frisst kein Holz mehr, sondern er sucht einen Geschlechtspartner zur Vermehrung. Damit ist dann der Kreislauf geschlossen.

Damit sich die Hausbocklarve im Holz bewegen kann, ist der Körper wulstartig ausgebildet. Die Hausbocklarve frisst das Holz und dreht sich regelmäßig um und schiebt das Fraßmehl nach hinten. Beim Fressen erzeugt sie einen tonnenförmigen Kot, der auch als Kotwalze bezeichnet wird. Dieser Kot zerfällt durch Alterung nicht, so dass selbst in jahrhundertealtem Holz aufgrund dieser Kotwalzen immer noch bestimmt werden kann, ob der Hausbock (oder andere Bockkäfer) in diesem Holz gelebt hatten.

Die Weibchen legen bis zu 350 Eier ab, wobei Gelege mit 50-60 Eiern üblich sind. Es werden Hölzer für die Eiablage angenommen, deren Holzfeuchte über 8 % liegt. Damit ist es auch möglich, dass selbst in getrocknetem Holz Befall durch den Hausbock auftritt.

Die Hausbocklarve ist wärmeliebend. Sie sucht im Dach gerne wärmere Stellen auf, also die Südseite der Dachfläche, Wechsel um den Schornstein, Dachfenster etc.. Beim Wachsen durch den Fraß im Holz wird die Larve immer größer und muss sich deshalb regelmäßig häuten.

Wichtig ist, dass die Hausbocklarve beim Fressen sehr lichtscheu ist. Sie wird keine Öffnungen in die Holzoberfläche fressen. Daher wird beim aktiven Befall durch Hausbocklarven kein Fraßmehl nach außen gedrückt. Der Befall ist also erst nach dem Schlüpfen der ersten Generation an den entstandenen Ausfluglöchern zu sehen.

Der Hausbockbefall ist immer wieder ein gern gesehener Schädling für ein schnelles Geschäft. Aus diesem Grund wird in der DIN 68 800 Teil 3, in der die Bekämpfung von Holzschädlingen geregelt ist, zuerst verlangt, dass lebender Befall nachgewiesen ist. Lebender Befall lässt sich nachweisen, indem z. B. Ausfluglöcher markiert werden und dann in regelmäßigen Abständen von einem Jahr geprüft wird, ob es neue Ausfluglöcher gibt.

Einfacher ist es, wenn die Nagegeräusche zu hören sind. Das feine Kratzen im Holz wird besonders an warmen Abenden im Spätsommer gehört. Dann ist sicher, dass lebender Befall vorliegt und es kann bekämpft werden.

Von gewissen Kreisen wird immer wieder behauptet, der Hausbock sei vom Aussterben bedroht. Das ist ein Irrglaube. Seitdem in der Praxis immer weniger Holzschutzmittel zum vorbeugenden Schutz eingesetzt wird, erhöht sich die Anzahl der Hausbock befallenen Häuser. Auch der sorglose Umgang mit ungeschützten Holzoberflächen in der freien Natur bietet dem Hausbockweibchen immer wieder ideale Eiablagestellen.

Aber selbst in Wohnräumen ist es nicht selten der Fall, dass der Hausbock freiliegende Deckenbalken für die Eiablage nutzt. Das wertet natürlich eine Immobilie ab.

Die Hausbockkäfer sind wechselwarm. Das bedeutet, dass sie erst ab einer gewissen Temperatur in der Lage sind zu fliegen. Vorher können sie nur kriechen. Die Abflugtemperatur liegt bei ca. 23 °C. Daher findet der Befall von Hölzern immer erst dann statt, wenn längere Zeit die 23 °C überschritten waren. Das ist von Mai bis August. Spätestens Ende September gibt es dann keine lebenden Hausböcke mehr. Insofern könnte bei einer Änderung der Baugewohnheiten und einem Richten des Hauses im Herbst auf vorbeugende Holzschutzmittel verzichtet werden, wenn im Gebäude selbst die befallbaren Hölzer verkleidet sind.

Dieser natürliche vorbeugende Schutz widerspricht aber den heutigen Baugewohnheiten. Von daher wird der Hausbock den Menschen beim Hausbau immer wieder begleiten.

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