BiologischWissenswerteszurHolzschädlingsbekämpfung20190721

Bekämpfung von Holzschädlingen im Holz

Von Joachim Wießner,
Sachverständiger für Holzschutz,  www.jochenwiessner.de

Wissenswertes über die Verbreitung von
Holzschädlingen im Holz

Holz ist ein natürlicher Baustoff
und unterliegt somit dem Kreislauf der Natur. Wenn der natürliche
Zersetzungsprozess mit dem Holz zu Ende ist, dann liegt Humus vor. Praktisch
jede Holzart und für jede Einbausituation gibt es geeignete Schadorganismen,
die dem Holz zusetzen können.

Die in unseren Gebäuden am
häufigsten vorkommenden Insekten sind der Gewöhnliche Nagekäfer, der Gescheckte
Nagekäfer und der Hausbock. Der Hausbock benötigt überwiegend trockenes Holz,
wobei Holzfeuchten bis 8 % für ihn geeignet sind zur Entwicklung. Der
Gewöhnliche Nagekäfer braucht mindestens 16 % Holzfeuchte, das Lebensoptimum
für ihn ist eine Holzfeuchte von ca. 35 %. Ähnlich sieht es beim Gescheckten
Nagekäfer aus, der allerdings auf Pilz befallene Hölzer für die Eiablage
angewiesen ist.

Durch den Verzicht auf
Holzschutzmittel ist es in den letzten Jahren wieder vermehrt zu Befall durch
Hausbock in Wohnräumen gekommen. Dort stört das Nagegeräusch der Larven. Um
eine sichere Bekämpfung durchzuführen, ist es notwendig, die Lebensweise des
Hausbockes zu kennen.

Der Hausbock befällt das Holz,
indem das Hausbockweibchen die Eier in Risse im Holz ablegt. Diese Risse haben
eine Breite von 0,2 – 0,5 mm. Die Tiefe sollte zwischen 1,2 und 1,8 cm liegen,
so lang ist jedenfalls die Legeröhre des Hausbockweibchens.

Pro Gelege werden mind. 30 Eier,
max. 60 Eier abgelegt. Deshalb ist es technisch unmöglich, dass in einem Balken
nur eine einzige Larve vorhanden ist.

Der Hausbock frisst im nahrhaften
Splintholz. Das Splintholz ist an der Außenseite des Bauteils zu finden. Die
Hausbocklarven können bei Kiefernholz den Kern kaum überwinden, das heißt also,
der Befall befindet sich immer nur im Splintbereich. Das trifft auch auf die
Holzart Lärche zu. Bei Fichten- und bei Tannenhölzern ist es durchaus denkbar,
dass der Hausbock auch in das Reifholz eindringt. Wenn also nur an den Kanten
des Balkens der nahrhafte Splint ist, ist die Hausbocklarve in dieser Holzzone
gefangen.

Generell bleibt er aber immer
direkt unter der Holzoberfläche. Hat die Hausbocklarve genug gefressen, dann
hat sie das sog. Verpuppungsgewicht erreicht. Es beträgt pro Larve etwa 0,25 g.
Dann benötigt der Hausbock einen Impuls von kalt nach warm, wie er im Frühjahr
in den normalen Holzkonstruktionen vorzufinden ist. Dieser Verpuppungsimpuls
führt dazu, dass die Hausbocklarve sich ganz dicht unter die Holzoberfläche
einnagt und dort nur eine papierdünne Schicht Holz zur Außenluft stehen lässt.
Sie bildet eine Puppenwiege und die Verpuppung dauert etwa 6 Wochen.
Anschließend schlüpft das fertige Insekt. Es durchbeißt die Holzoberfläche und
fliegt aus.

Somit handelt es sich bei diesen
ovalen Löchern um Ausfluglöcher, nicht um Einfluglöcher. Die Ausfluglöcher
zeigen an, dass dort der Hausbock (die Larve) gelebt hat. Er (sie) ist jetzt
nicht mehr da.

Der Hausbock hat natürliche
Feinde. Ein Feind ist der Specht. Hört der Specht Fraßgeräusche der Hausbocklarve,
dann hebelt er mit seinem starken Schnabel die Holzoberfläche auf und frisst
die Larve. Sofern also eine Hausbocklarve ein Klopfen am Holz hört, hört sie
auf zu fressen. Diese Fresspause kann mehrere Tage dauern.

Zudem sitzen die Hausböcke in
unterschiedlichen Holztiefen (im Milimeterbereich) und in unterschiedlichen
Jahrringbreiten. Je nachdem, wie hier die Beschaffenheit des Holzes ist, gibt es
einen mehr oder weniger starken Resonanzboden, der die Fraßgeräusche dieses
Insektes verstärkt. Um das einmal ganz krass auszudrücken, ist der
Hauptkrachmacher weg, hört man erst die anderen Larven nagen.

Der Hausbock überwindet mehrere
Meter im Holz in seinem Leben. Wird z. B. an einem 10 m langen Sparren eine
Hausbocklarve an einem Ende eingesetzt, so kann festgestellt werden, dass nach
3 – 5 Jahren die Hausbocklarve auch diese 10 m überwunden haben kann. Das lässt
sich auch ableiten aus der Fressgeschwindigkeit, die die Hausbocklarven z. B.
in Probeklötzchen vorlegen. Sie sind durchaus in der Lage, pro Tag 1 – 2 cm im
Kiefernsplintholz zurückzulegen.

Außerdem hat die Hausbocklarve
eine unangenehme Eigenschaft. Sie kann sich von einem Bauteil in das nächste
einnagen. Das geschieht in aller Regel dann, wenn die Bauteile press
aufeinander liegen. Selbst Brettschichtleimbinder sind davon nicht ausgenommen.

Um also den Hausbock wirksam zu
bekämpfen, ist eine genaue Kenntnis der Ausbreitung des Hausbocks notwendig.
Das ist aber gar nicht so einfach festzustellen. Ausfluglöcher zeigen nur an,
wo er gewesen ist. Sind Ausfluglöcher da, sind Insekten geschlüpft. Üblicherweise
schlüpfen bei den Insekten etwa 50 % Männchen und 50 % Weibchen. Es kommt also
mit großer Sicherheit zu einer Paarung der Insekten und damit zu einer weiteren
Eiablage.

Da der Hausbock mittlerweile
wieder vermehrt in Wohnräumen vorkommt, hat er diesen Verpuppungsimpuls durch
den Temperaturwechsel nicht. In diesem Fall schlüpft der Hausbock dann, wenn
die Hausbocklarve das entsprechende Verpuppungsgewicht erreicht hat. Das ist
praktisch gesehen das ganze Jahr über. Auch das erschwert die Bekämpfung des
Hausbocks.

Wer hier nicht ganz genau
beobachtet, wann welche Ausfluglöcher wo entstanden sind, erlangt keinen
Überblick darüber, wie weit die Hausböcke ausgebreitet sind und letztendlich
auch wo gerade sich der aktive Befall befindet.

Die Entwicklungsgeschwindigkeit
im Holz ist ebenfalls nicht immer gleichmäßig. So wird dem Hausbock bestätigt,
dass eine normale Entwicklung im frischen Bauholz 3 – 5 Jahre dauert. Setzt man
das einmal rechnerisch um, fliegen spätestens nach 15 Jahren jährlich Hausböcke
aus.

Es macht also für die Bekämpfung
mit der Mikrowelle keinen Sinn, hier nur punktuell das Holz zu bestrahlen. So
einfach eine Hausbockbekämpfung bei entfernter Betrachtung erst einmal
aussieht, umso schwieriger wird die Beurteilung einer Bekämpfung, wenn man sich
mit dem Hausbock auskennt.

Ähnlich sieht es mit dem
Gewöhnlichen Nagekäfer aus. Dieser auch als Anobium oder Holzwurm bezeichnete
Holzschädling benötigt für seine Entwicklung feuchteres Holz. Ein typisches
Verbreitungsgebiet sind z. B. Kirchen, Garagen, Dachstühle, Scheunen, Ställe
und allgemein Lagerräume, die nicht geheizt sind. Dazu gehören auch Dachböden.

Der Holzwurm hat so einige Vorlieben.
Besonders gern befällt er Eichensplintholz. Er frisst generell im Inneren des
Holzes, also nicht unter der Oberfläche. Das liegt daran, dass innerhalb eines
Holzbauteils im geografischen Mittelpunkt die geringsten Feuchteschwankungen
auftreten. Das bevorzugt der Holzwurm, auch der Gescheckte Nagekäfer. Die
Entwicklungszeit dieser Insekten wird mit 3 – 5 Jahren angegeben. Auch hier
muss berücksichtigt werden, dass der Nährstoffgehalt des Holzes eine Rolle
spielt, aber auch die Entwicklungstemperaturen. Bei höheren Temperaturen kann
sich der Holzwurm schneller entwickeln, die Entwicklungszeit liegt bei etwa 3
Jahren.

Der Holzwurm hat eine unangenehme
Eigenschaft. Er schlüpft aus den eigenen alten Ausfluglöchern aus. Sind also
schwarze Ausfluglöcher vorhanden, dann heißt das noch lange nicht, dass der
Befall erloschen ist. Zudem wirft der Holzwurm kein Fraßmehl aus, entgegen den
Angaben in der Fachliteratur. So hat ein Zimmermann bei jahrelanger Beobachtung
eines befallenen Möbelstücks festgestellt, dass die Holzwürmer beim Schlüpfen
praktisch kein Fraßmehl auswerfen, der Folgeschädling aber, der Blaue
Fellkäfer, überwiegend dafür verantwortlich ist, dass diese Fraßmehlhäufchen
entstehen.

Das heißt aber im Umkehrschluss,
dass man durch Ansehen des Holzes nicht erkennen kann, ob aktiver Befall
vorhanden ist, wenn kein Fraßmehl liegt. Liegt aber Fraßmehl da, dann ist
zumindest sicher, dass die natürlichen Feinde des Holzwurms anwesend sind.
Diese natürlichen Feinde können sich umso mehr vermehren, wie Larven vom
Holzwurm vorhanden sind. Damit kann man anhand der vorgefundenen
Fraßmehlhäufchen durchaus zurück schließen, dass der Holzwurm aktiv vorhanden
ist.

Wird jetzt mit der Mikrowelle nur
punktuell das Holz erhitzt, wo sich gerade die Fraßmehlhäufchen auffinden, dann
wird dort letztendlich nur der Blaue Fellkäfer bekämpft. Die eigentliche
Ausbreitung des Holzwurms ist in keiner Weise damit abgedeckt. Auch hier macht
es nur Sinn, das gesamte Holz zu bestrahlen. Da der Befall aber in der Mitte
des Bauteils ist, sind bei größeren Querschnitten Fraßgeräusche fast nicht zu
hören.

Der Gescheckte Nagekäfer ist auf
Pilz befallenes Holz angewiesen. Er ist von der Natur für Eichenkernholz mit
Pilzbefall vorgesehen, befällt aber auch Nadelhölzer mit Pilzbefall.

Ist die Larve erst einmal
erwachsen, dann kann sie sich bis zu 2,50 m vom Pilzbefall entfernt in gesundes
Holz einbohren. Um das praktisch auszudrücken: Liegt bei einem Fachwerkpfosten
im Fußbereich Befall durch den Gescheckten Nagekäfer vor, so muss mit der
Mikrowelle nicht nur der Fußbereich, sondern von da ausgehend bis 2,50 m über
dem letzten Ausflugloch eine Bekämpfung durchgeführt werden. In aller Regel
bedeutet das, dass das gesamte Bauteil im Fachwerk zu behandeln ist.

Wird dieses Behandlung nicht über
die gesamte Länge durchgeführt, dann können Insektenlarven überleben. Durch die
Hitzebehandlung hat sich das Holz nicht verändert. Das Pilz befallene Holz
bleibt. Den Insektenlarven ist es egal, ob der Pilzbefall noch lebt oder
abgestorben ist.

Damit sind den Larven bei weiter
eintretender Feuchtigkeit die Nahrungsgrundlagen wieder
gegeben
und auch ein neuer Zuflug ist möglich. Hier tritt dann ein
weiterer Aspekt der Hitzebehandlung zum Vorschein. Durch die Hitze wird kein
vorbeugender Schutz im Holz erzeugt.

Das heißt, dass bei unveränderten
Rahmenbedingungen das Holz weiterhin seine physikalischen Eigenschaften behält
und damit ein Neubefall wieder möglich ist.

Hier gehört eine ausreichende
Erfahrung dazu, anhand der äußeren Bedingungen auf die Wiederbefallbarkeit
zu schließen. Andernfalls muss die Hitzebehandlung als ständig wiederkehrende
Gebäudeunterhaltungsmaßnahme angesehen werden.

Bei den Nagekäfern kommt hinzu,
dass nicht immer frisch rieselndes Mehl von Holzschädlingen oder deren
natürlichen Feinden stammt. Wenn Holz z. B. trocknet ändert es sein Volumen.
Durch die Volumensänderung werden in den Fraßgängen
festgekeilte Fraßmehlrückstände gelockert. Kommt es nun zu Erschütterungen im
Umfeld, z. B. fährt ein schwerer LKW auf der Straße am Haus vorbei, dann kann
es zum Ausrieseln des Fraßmehls kommen. Auch hier gehört genügend Erfahrung
dazu, ein solches Ausrieseln zu beurteilen. Häufig werden dann
Monitoringsysteme eingesetzt, die es ermöglichen, zwischen aktivem Befall und
ausrieselndem Fraßmehl durch Erschütterungen zu unterscheiden.

Bevor also eine Hitzebehandlung
des Holzes durchgeführt wird, ist es sinnvoll, sich über die Schädlinge näher
zu informieren und vor Ort zu prüfen, wie groß die Ausbreitung der Schädlinge
sein kann. Es ist daher sinnvoll, sich für die Beurteilung eines solchen
Befalls sachverständige Hilfe zu holen. Auf Wunsch kann ich Ihnen mit
entsprechenden Adressen weiterhelfen.

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